13 Medaillen bei der Para Biathlon-WM

Die deutschen Frauen mit Sehbeeinträchtigung feiern bei der Para Biathlon-WM in Prince George (Kanada) im Verfolgungssprint den nächsten Dreifacherfolg. Anja Wicker (MTV Stuttgart) läuft von Platz vier in der Qualifikation zu Silber und richtet einen speziellen Dank an die Skitechniker im Team.

„Die Erleichterung ist riesig“, sagte Anja Wicker am Samstagmittag (Ortszeit) und jeder, der die 32-Jährige ein wenig kennt, konnte sich ausmalen, wie sie sich fühlte. Platz vier in der Quali nach vier Schießfehlern und mit gewaltigem Abstand auf die Überraschungsführende Yunji Kim aus Korea sowie auf die beiden US[1]Amerikanerinnen Kendall Gretsch und Oksana Masters – das ist nicht der Anspruch der Stuttgarterin.

Doch als es darauf ankam, lief es für Anja Wicker glatt. Im Finale blieb sie am Schießstand zweimal fehlerlos – im Gegensatz zu Kim und Masters – und auf der dreimal rund ein Kilometer langen Strecke ließ sie sich trotz schwieriger Schneebedingungen nicht bremsen. Nach dem ersten Schießen lief sie an Masters vorbei, nach dem zweiten an Kim. Nur Kendall Gretsch war nicht zu packen; sie fuhr souverän zu ihrer zweiten Gold-Medaille bei dieser WM. Für Masters blieb Bronze, Kim ging leer aus. „Meine Ski wollten trotz des langsamen Schnees schnell laufen. Darüber und über meine Leistung bin ich froh“, sagte Anja Wicker und dankte den Skitechnikern des Teams. Die zweite deutsche Starterin bei den Frauen sitzend, Andrea Eskau, (USC Magdeburg) verbesserte sich im Finale noch von Platz sechs auf Platz fünf.

Bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigung gab es im Finale keine Veränderungen gegenüber der Quali. Das hieß den zweiten deutschen Dreifacherfolg bei dieser WM – und das dritte Einzel-Gold für Linn Kazmaier (SZ Römerstein) und ihren Guide Florian Baumann, die erneut das Maß aller Dinge waren. Vier Schießen, null Fehler – das Duo lief gefahrlos zum Sieg. Hinter ihnen folgten Leonie Walter (SC St. Peter) mit Guide Christian Krasman und Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland) mit Guide Pirmin Strecker.

Die deutschen Männer blieben am Samstag ohne Medaille. In der stehenden Klasse wurde der von einer Erkältung geschwächte Marco Maier Sechster, sein Vereinskamerad vom SV Kirchzarten, Alexander Ehler, kam auf Rang neun. Bei den Sehbeeinträchtigten landeten Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle) und Lennart Volkert (PSV München, mit Guide Nils Kolb) wie über 12,5 Kilometer auf den Plätzen sieben und zehn.

Im Team-Sprint zum Abschluss der Para Biathlon-WM in Kanada erkämpfen sich die Duos Anja Wicker und Andrea Eskau sowie Linn Kazmaier und Leonie Walter Bronze und Silber. Nicht nur deswegen darf Bundestrainer Ralf Rombach eine freudige Bilanz ziehen. Insgesamt gewann die deutsche Nationalmmanschaft 13 Medaillen, darunter dreimal Gold durch Linn Kazmaier. Nun steht direkt im Anschluss ebenfalls in Prince George das Weltcup-Finale an.

Die Teamwettbewerbe scheinen sich für die deutsche Mannschaft immer mehr zu einer Lieblingsdisziplin zu entwickeln. Vergangenes Jahr bei den Weltmeisterschaften in Östersund (Schweden) holten beide Langlauf-Staffeln Medaillen, diesmal schlugen zwei Biathlon-Teams zu: Wicker (MTV Stuttgart) und Eskau (USC Magdeburg) gewannen in der sitzenden Klasse Bronze hinter den Teams aus den USA und der Ukraine. Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann) und Walter (SC St. Peter, mit Guide Christian Krasman) holten in der stehenden Klasse hinter der Ukraine und vor Kanada Silber.

In der stehenden Klasse maßen sich seh- und körperbeeinträchtigte Frauen und Männer miteinander, was den Wettkampf für das Publikum besonders spannend machte – Zeitgutschriften für Athletinnen stellten Chancengleichheit her. Für Deutschland traten auch Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland, mit Guide Pirmin Strecker) und Marco Maier (SV Kirchzarten) sowie Alexander Ehler (SV Kirchzarten) und Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle) an, Lennart Volkert (PSV München, mit Guide Nils Kolb) bildete mit dem Franzosen Karl Tabouret ein internationales Team.

Für die jeweiligen Finalläufe qualifizierten sich die Duos Wicker/Eskau und Kazmaier/Walter. „Es war nicht zu erwarten, dass wir zwei Medaillen holen. Aber bei Anja und Andrea hat sich im Prolog angedeutet: Da ist was drin – wenn sie die beiden Koreanerinnen in Schach halten“, sagte Bundestrainer Ralf Rombach. Das gelang. „Anja hat wieder eine exzellente Leistung gezeigt und Andrea ihre beste Performance dieser Woche.“ Die Stuttgarterin Wicker genoss den Abschluss in vollen Zügen: „Es hat Spaß gemacht und wir haben das Maximale rausgeholt“, sagte sie.

Das galt aus Sicht von Ralf Rombach im gleichen Maße auch für Kazmaier und Walter, die sich lediglich zwei Ukrainerinnen geschlagen geben mussten: Bohdana Konashuk und Ludmyla Liashenko hatten in Prince George beide bereits WM-Einzelgold bei den Frauen stehend geholt. „Sie schießen superschnell, da haben sie Vorteile gegenüber Sehbeeinträchtigten, die wegen der Technik am Schießstand immer etwas länger brauchen. Wir haben Silber geholt und nicht Gold verloren“, sagte Rombach.

Linn Kazmaier, der dreifachen Einzel-Weltmeisterin bei dieser WM, attestierte der Bundestrainer, erneut „ein Megarennen“ abgeliefert zu haben. Leonie Walter war mit ihrer eigenen Laufleistung zufrieden, mit dem Schießen weniger. Viermal musste sie im Finale in die Strafrunde. „Da hätte ich etwas konzentrierter sein müssen.“ Allerdings hatten dem komplexen Format geschuldete organisatorische Probleme auch zu mehreren kurzfristigen Verzögerung geführt und dafür, dass die bereits aufgewärmte und am Start wartende Walter wieder ihre Trainingskleidung überstreifen musste.

Dennoch endete die WM mit zwei Medaillen, Nummer zwölf und dreizehn für das deutsche Team. Der Bundestrainer zog eine entsprechend positive Gesamtbilanz. „Wir haben hier viel Licht und nur ein bisschen Schatten gesehen“, sagte er. Alle seine Starterinnen nehmen als Erinnerungsstück Trophäen mit: Kazmaier drei goldene und eine silberne, Walter vier silberne, Wicker zwei silberne und eine bronzene, Recktenwald zwei bronzene und Eskau eine bronzene. Bei den Männern stand nur Maier einmal auf dem Podium, am ersten Tag nach dem Sprint. „Für Marco war die Bronzemedaille nach seiner Erkältung in der Vorbereitung ein kleines Geschenk. Seine Form war einfach nicht da“, ordnete Rombach ein. Messinger konnte zwar läuferisch überzeugen, fand sich aber am Schießstand nicht zurecht. Ehlers bestes Resultat war ein vierter Rang über 12,5 Kilometer, für Volkert Platz sieben im Sprint – beide dürfen das als Erfolgserlebnis werten.

„Gesamtmannschaftlich haben wir sehr gut funktioniert. Jeder weiß, was er oder sie zu tun hat“, sagte der Bundestrainer und brachte dem Team hinter dem Team seine Wertschätzung entgegen: den Skitechnikern, seinen Trainerkollegen und den beiden Physiotherapeuten. Die Tage in Kanada sind derweil noch nicht beendet. Am Mittwoch beginnt in Prince George das Weltcup-Finale, zunächst mit dem Abschluss der Biathlon-Saison, dann mit drei Langlauf-Rennen. Zwölf Deutsche, darunter fünf Guides, sind dabei. Andrea Eskau und Alexander Ehler haben nach der WM plangemäß die Heimreise angetreten.

Medaillenübersicht:

Gold: 3x Linn Kazmaier mit Guide Florian Baumann (Sprint, Einzelrennen, Verfolgungsrennen)

Silber: 3x Leonie Walter mit Guide Christian Krasman (Sprint, Einzelrennen, Verfolgungsrennen); 2x Anja Wicker (Sprint & Vefolgungsrennen); Team stehende Klasse (Linn Kazmaier & Leonie Walter)

Bronze: 2x Johanna Recktenwald mit Guide Pirmin Strecker (Sprint & Vefolgungsrennen); Marco Maier (Sprint); Team sitzende Klasse (Andrea Eskau & Anja Wicker)

Weitere Informationen zum Team und zur WM:

https://www.nordski.de

https://caledoniacompetitions.com

Quelle: Benjamin Schieler / DBS

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