Interviewreihe "Inklusion im Sport - Verein(t) für Alle"

Anpfiff Hoffenheim e.V. - Sport für Menschen mit Amputationen

Interview mit Diana Schütz (2. Vorsitzende) von Anpfiff Hoffenheim e.V. und Elisabeth Claas (Koordinatorin Bewegungsförderung für Amputierte) von „Anpfiff ins Leben e.V.“

Es gibt eine große Auswahl an Möglichkeiten, um nach einer Amputation wieder sportlich aktiv zu werden. Der Verein Anpfiff Hoffenheim e.V. fördert die Teilhabe am Sport für diese Zielgruppe und bietet mit zwei Mannschaftssportarten und „Laufen mit Carbonfedern“ ein tolles sportliches Angebot. Wir haben mit Diana Schütz (2. Vorsitzende) von Anpfiff Hoffenheim e.V. und Elisabeth Claas (Koordinatorin Bewegungsförderung für Amputierte) von „Anpfiff ins Leben e.V.“ darüber gesprochen.

Amputierten-Fußball bei

Amputierten-Fußball bei "Anpfiff Hoffenheim e.V."

Der Verein, Anpfiff Hoffenheim, macht sich für den Sport von Menschen mit und ohne Behinderung stark. Die Sportangebote Sitzvolleyball, Amputierten Fußball und Laufen mit Carbonfedern richten sich in erster Linie an Menschen mit Amputationen oder einer Dysmelie. Wie kam es dazu, speziell für diese Zielgruppe Angebote zu schaffen?

Diana Schütz, selbst oberschenkelamputiert, hat im Juli 2013 die „Bewegungsförderung für Amputierte“ beim Verein „Anpfiff ins Leben e.V.“ etabliert. Sie weiß, dass für Menschen mit einer Amputation der Austausch untereinander sehr wichtig ist und dass es Angebote über den Rollstuhlsport hinausgeben muss. Da es keinen vergleichbaren Sportverein in der Region gab, wurde 2015 der Verein „Anpfiff Hoffenheim“ gegründet, um den Ligabetrieb abzubilden.

Wie bzw. auf welchen Ebenen macht sich Inklusion im Verein bemerkbar?

Vorrangig beim Sitzvolleyball. Wir wünschen uns aber, dass sowohl beim Laufen mit Carbonfedern als auch beim Amputierten Fußball, Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam Sport treiben. Um dieses Angebot bekannt zu machen, bieten wir an Schulen und Unis gemeinsame Trainingseinheiten an.

Währen Sitzvolleyball schon seit vielen Jahre einen Liga- bzw. Turnierbetrieb hat und zu den paralympischen Sportarten zählt, befindet sich der Amputierten-Fußball noch im Aufbau eines Ligabetriebs. Was würden Sie sich für die Entwicklung der beiden Sportarten wünschen? Und wo soll die Reise in Ihrem Verein hingehen?

Einen offiziellen „Ligabetrieb“ gibt es im Sitzvolleyball leider nicht. Auch wenn es hier Deutsche Meisterschaften gibt, ist der Ligabetrieb ein Zusammenschluss aus diversen Vereinsturnieren mit teils internationaler Beteiligung.

Der Wunsch ist sicher, dass es in beiden Sportarten einen regelmäßig bundesweit und auch landesweiten stattfindenden Ligabetrieb gibt, bei dem viele Teams auch aus der näheren Umgebung teilnehmen. Intern ist es unser Ziel weitere Sportler/innen zu motivieren, um dann eine 2. Mannschaft in jeder Disziplin an den Start zu bringen.

Vor einigen Jahren wurde im Rahmen des „Lauf- und Bewegungstages“ ein inklusiver Sportabzeichen-Tag von Ihnen organisiert. Beabsichtigen Sie dieses Angebot wieder anzubieten oder sogar weiter auszubauen?

Als Kooperationspartner von „Anpfiff ins Leben“ und dem Bereich „Inklusiv Aktiv“ werden wir inklusive Sportabzeichen-Tage weiter unterstützend anbieten.

Gibt es noch andere Sportarten, die Sie in Ihr Angebot langfristig mit aufnehmen möchten?

Nordic Walking steht bei uns auf der Liste. Diese Sportart hilft Betroffenen in der Frühphase langsam wieder in Bewegung zu kommen und mobiler zu werden in der Hoffnung, dass sie später Ihre Sportart finden.

Durch Ihre Kooperation mit Anpfiff ins Leben e.V. soll der Bereich „Bewegungsförderung für Amputierte“ weiter ausgebaut und insbesondere der Fokus auf Kinder und Jugendliche gelegt werden. Welche Maßnahmen ergreifen Sie dafür und welche Vorteile ergeben sich aus der Kooperation?

Wir veranstalten auch 2022 wieder ein Kinder- und Jugendcamp. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass sie wissen, dass sie nicht alleine sind und dass man ihnen so früh wie möglich Perspektiven aufzeigt. Über unsere Besuche in den Schulen, möchten wir die Kinder von unserer Sportart begeistern. So, dass sie danach den Weg zu uns finden.

Was konnte seit dem Start des Kooperationsverhältnisses bereits erreicht werden?

In Kooperationen mit unseren Jugendsportlern von „Anpfiff ins Leben“ finden regelmäßige Angebote mit unseren amputierten Sportlern statt. Seit 2018 gibt es zusammen mit den Sponsoren von „Anpfiff ins Leben“ ein inklusives Sitzvolleyballturnier.

Seit Anfang an, also 2013 gibt es im Bereich „Bewegungsförderung für Amputierte“ Fitnesskurse. Diese werden an drei Standorten in Walldorf, Ludwigshafen und Hoffenheim angeboten. Hier kann bereits ohne Prothesen trainiert werden. In Kooperation mit einer Tanzschule findet seit 2014 regelmäßig alle zwei Wochen ein Tanzkurs statt. Gemeinsam mit dem Partner/Partnerin kann hier das Tanzbein geschwungen werden. Aber auch Saisonale Angebote wie Fahrradfahren, Klettern oder Ski- oder Kanufahren werden regelmäßig veranstaltet.

Weitere Informationen zu den zahlreichen Bewegungs- und Sportangeboten für Menschen mit Amputationen finden Sie unter Anpfiff Hoffenheim e.V. und unter Anpfiff ins Leben e.V.

Sportgruppe "Laufen mit Carbonfedern" vom Verein "Anpfiff Hoffenheim e.V."

KoRolli Konstanz e.V. - Rollstuhlsport für Menschen mit und ohne Behinderung

Interview mit Roland Benker (1. Vorsitzender) und Angelika Schneider (Übungsleiterin) von KoRolli e.V.

Gemeinsam Sport treiben, sich austauschen und Inklusion leben. Seit über 30 Jahren gehen die Mitglieder der KoRollis (Konstanzer Rollstuhlsportinitiative e.V.) unterschiedlichen Aktivitäten nach.  Rollstuhlbasketball, Fahnenschwingen, Blasrohrschießen und Lachyoga sind nur einige davon. Roland Benker (1. Vorsitzender) und Angelika Schneider (Übungsleiterin) berichten darüber.

Herr Benker, Sie sind der 1. Vorsitzende der Konstanzer Rollstuhlsportinitiative e.V. - kurz „KoRolli“. Von Ihrem 2. Vorsitzenden weiß ich, dass Sie schon Deutscher Meister im Wasserski waren (s.Foto). Die KoRollis haben sich hauptsächlich der Sportart Rollstuhlbasketball verschrieben? Wie kamen Sie zum Verein?

Der Verein KoRolli e.V. wurde 1990 gegründet und mein Unfall war 1989. Von daher bin ich eines der Gründungsmitglieder des Vereins. Zum Wasserski kam ich erst später.

Seit wann haben Sie das Amt des 1. Vorsitzenden inne?

1. Vorsitzender bin ich seit 2019, nachdem unsere bis dahin amtierende 1. Vorsitzende Kerstin Ring aus beruflichen Gründen umgezogen ist.

Seit 1990 treffen sich in Konstanz Fußgänger und Rollstuhlfahrer in Ihrem Verein, um gemeinsam Sport zu treiben. Was bedeutet Sport für Sie persönlich? Was macht der Sport in der Gruppe aus?

Sport bedeutet für mich persönlich vor allem Spaß und etwas zu tun, um fit zu bleiben. Außerhalb vom KoRolli fahre ich Handbike, Wasserski und Alpinski. Der Sport in der Gruppe macht auch insofern Spaß, dass man den Austausch untereinander und auch andere soziale Kontakte als "nur" den eigenen Freundeskreis hat.

Frau Schneider, Sie sind Trainerin der KoRollis und haben sich beim Deutschen Rollstuhlsportverband als Übungsleiterin ausbilden lassen. Sie selbst sind Fußgängerin und trainieren die bunt gemischte Gruppe aus Menschen mit und ohne Behinderung. Was macht Ihnen Spaß am Rollstuhlsport? Wo steckt für Sie der Reiz?

Es ist eine Sportart, die man sonst als Fußgänger nicht ausübt. Man lässt sich quasi auf ein neues „Sportgerät“ ein, mit dem Rollstuhlfahrer jeden Tag unterwegs sind. Es ist eine Herausforderung für jeden Fußgänger, hier mithalten zu können. Man lernt von Menschen, über die der eine oder andere, der mit Rollstuhlsport noch nie was zu tun hatte, denkt: „Was kann ein Rollstuhlfahrer mir schon beibringen?“ Wir als Fußgänger begeben uns aber immer wieder aufs Neue in eine Welt, die uns sonst verschlossen bleibt und haben richtig viel Spaß dabei. Was will man mehr? Man kann man in diesem Fall viel von den Rollstuhlfahrern lernen, es werden Dinge aufgezeigt, auf welche man sich sonst gar nicht konzentrieren würde, da sie einen nicht berühren. Ein Beispiel sind Flächen mit Kopfsteinpflaster oder Unterführungen in Konstanz, die viel zu steil sind.

Absolut. Das Stichwort Barrierefreiheit geht damit natürlich einher. Lassen Sie uns den Blick auf die Sportart und ihre Gruppe richten. Rollstuhlbasketball ist eine der ältesten inklusiven Sportarten, bei der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Spot treiben. Der Begriff Inklusion wird in Ihrem Verein deutlich: Sie, Herr Benker sind Rollstuhlfahrer und Sie, Frau Schneider, Fußgängerin, gemeinsam machen Sie Sport. Wie würden Sie die Gruppe beschreiben? Wie erleben Sie die Interaktion untereinander, welche Möglichkeiten ergeben sich daraus?

Benker: Inklusion gab es bei den KoRollis schon immer. Alle Übungsleiter waren bisher Fußgänger. Durch Interessierte vom Hochschulsport und der Universität kamen häufiger Sportler vorbei, um sich unser Training anzuschauen. Wer Lust hat, kann sich in einen unserer Rollis (wir haben einige Rollstühle vor Ort) reinsetzen und mitmachen. So kam es mit der Zeit, dass einige Fußgänger so viel Spaß daran hatten, dass sie nun regelmäßig zum wöchentlichen Training kommen und fester Bestandteil der Gruppe sind. Die Gruppe ist mittlerweile bunt gemischt, sogar die Kinder von Frau Schneider machen beim Training mit und somit reicht die Altersspanne tatsächlich von jung bis alt.  

Schneider: Wie sind wir eine sehr harmonische Gruppe, in die jeder auf seine Weise seine Persönlichkeit einbringt. Vielleicht würden wir aufgrund der Verschiedenheit ohne Rollstuhlsport gar nicht miteinander in Kontakt kommen und so treffen wir uns einmal die Woche, um gemeinsam Sport zu machen. Das Tolle daran ist, dass es völlig egal ist, welchen Charakter jemand mitbringt, wir haben alle das gleiche Ziel: Gemeinsam Sport machen und dabei Spaß zu haben. Und genau dadurch ergibt sich für alle eine ganz neue Art der Kommunikation und der Akzeptanz anderer. Der Horizont erweitert sich und Äußerlichkeiten spielen überhaupt keine Rolle mehr, sondern nur noch die Gemeinschaft und das Füreinander-Einstehen.

Frau Schneider, nehmen die KoRollis (abgesehen vom letzten „Corona-beeinflussten“ Jahr) auch an Turnieren teil oder spielen gegen andere Mannschaften?

Das hat die Gruppe früher gemacht. Es wurden durch den Gründungsvorsitzenden Thorsten Stöckle Turniere organisiert und u.a. gegen St. Gallen gespielt. Durch unsere Altersstruktur, die ein wirklich großes Spektrum von Kindern im Grundschulalter bis zu Sportlern umfasst, die weit im Rentenalter sind, ist es aber schwierig, eine Turniermannschaft zu bilden, ohne jemanden auszuschließen. Deshalb sind wir seit langer Zeit einfach Freizeitsportler, die sich einmal die Woche treffen, um gemeinsam Spaß zu haben und sich fit zu halten.

Herr Benker, haben Sie vor, auch im Kinder- und Jugendbereich aktiv zu werden und langfristig für jüngere Altersklassen Angebote zu schaffen? Oder soll es vorerst beim Breitensportangebot für „Jung und Alt“ bleiben und wenn ja, warum?

Da ich das Amt des 1. Vorsitzenden noch nicht so lange ausübe und wir kurz danach die Pandemiesituation hatten, habe ich mir ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken darüber gemacht, Rollstuhlsport speziell im Kinder- und Jugendbereich anzubieten. Es gab mal ein Angebot in Konstanz an der Regenbogenschule und Frau Schneider hat diese Gruppe geleitet.

Was ich mir aber schon überlegt habe, ist ein Rollstuhlmobilitätstraining in der Schmieder-Klinik anzubieten. Es gibt viele Menschen, die durch MS oder andere Krankheiten in den Rollstuhl kommen, denen aber selten gezeigt wird, wie man mit dem Rolli zurechtkommt, um Barrieren zu überwinden wie z.B. Bordsteine gekippt hoch- und runterzufahren oder vom Rolli auf den Boden und umgekehrt wieder zurück in den Rolli hineinzukommen.

Der Verein kooperiert u.a. mit der Universität Konstanz (Inklusiver Hochschulsport), mit der Wasserschutzpolizei (Hoppetosse-Fahrt für Menschen mit Behinderung), verschiedenen Vereinen (Fahnenschwinger) und Schulen (Rollstuhlsport etc.). Welche Möglichkeiten oder Perspektiven ergeben sich daraus für die KoRollis?

Benker: Durch die Zusammenarbeit mit dem Hochschulsport und den Fahnenschwingern kommt das Wort Inklusion richtig zur Geltung und da Inklusion in unserer Gesellschaft zum Glück immer grösser geschrieben wird, finden sich durch die Zusammenarbeit vielleicht ja noch mehr Sportbegeisterte, ob mit oder ohne Behinderung, die beim Training der KoRollis mitmachen möchten.  

Die Zusammenarbeit mit den Fahnenschwingern hat uns vor eine neue Herausforderung gestellt. Es kam dann sogar so weit, dass wir bei der Deutschen Meisterschaft im Fahnenschwingen teilgenommen haben. Dort sind wir dann sogar Deutscher Meister geworden.

Herzlichen Glückwunsch dazu, klingt nach einer tollen Erfahrung. Eine letzte Frage noch an Sie, Frau Schneider. Wo können sich Interessierte melden, wenn Sie gerne an Ihrem Angebot teilnehmen möchten und welche Optionen haben Fußgänger, die keinen Rollstuhl haben aber für den Sport einen benötigen?

Jeder der Lust hat, unsere Rollstuhlgruppe kennenzulernen, kann sich gerne entweder über den Hochschulsport der Uni Konstanz anmelden oder einfach dienstagsabends um 19.30 Uhr in der Uni-Sporthalle im letzten Hallendrittel dazustoßen. Einen Rollstuhl braucht man dazu nicht, den kann man von uns bekommen. Wir haben mittlerweile viele Rollstühle, sodass wir interessierten Fußgängern das Sportgerät stellen können. Also: Einfach vorbeikommen!

Rastatter SC/DJK e.V. - Rollstuhlsport für Menschen mit und ohne Behinderung

Interview mit Petra Möller, Übungsleiterin der „Rolli-Bande“

Seit 2009 ist Petra Möller bei der Rollstuhlsport-Gruppe dabei und hat im Laufe der Zeit die Übungsleiter-Funktion übernommen. Im Interview berichtet sie über die Entstehung der Gruppe, welche Aktivitäten mit einem Rollstuhl unternommen werden können und was den Sport mit der Gruppe auszeichnet.

Ihr Verein, der SC/DJK Rastatt, hat neben der Sportart Fußball ein große Breitensport-Abteilung mit verschiedenen Angeboten. Darunter auch Sportangebote für „Menschen mit Handicap: Fußball, Walking und die Rollstuhl-Gruppe“. Sie sind Übungsleiterin der „Rolli-Bande“. Seit wie vielen Jahren gibt es das Angebot und wie kam es dazu?

Die Rollstuhl-Gruppe wurde ursprünglich von einer Rollstuhlfahrerin ins Leben gerufen, die leider verstorben ist! Hans-Georg Willared, derzeit unser Vereinsvorstand, sprach mich im Mai 2009 an, ob ich nicht Lust hätte in der Rollstuhl-Gruppe mitzuhelfen. Ehrenamtlich war ich damals bei verschiedenen Aktionen aktiv. Ich musste nicht lange überlegen und war gleich beim nächsten Training mit dabei. Seither hat mich nicht nur die Leidenschaft am Rollstuhl-Training gepackt, sondern auch die Liebe zu all den wunderbaren Menschen, die an dem wöchentlichen Sport teilnehmen. So vergingen einige Jahre, bis ich 2013/14 die Ausbildung "Rehabilitationssport - Neurologie - Rollstuhlsport" absolvierte.

2016 öffnete ich die Rollstuhl-Gruppe für "ALLE"! Wir hatten zuvor schon Malte, einen sehr lebhaften Jungen mit geistiger Behinderung mit dabei, der unser Team mit so viel Freude und Spaß am Sport "aufwirbelte". Wir freuten uns unheimlich über den "Rollstuhlsport für ALLE“, der dann mehr Zuwachs bekam.  

Welche Altersklassen sind in den Gruppen derzeit vertreten, wer kann teilnehmen und wie oft trainieren Sie in der Woche (sofern der Trainingsbetrieb stattfindet)?

Meine derzeit 16 Teilnehmer umfassende Rollstuhl-Sportgruppe trainiert immer freitags von 17.30 - 19.00 Uhr in Rastatt. Sie setzt sich aus sehr unterschiedlichen Behinderungen, Altersklassen (9-70 Jahre) und individuellen Vorstellungen an den Sport zusammen. Aber auch ich bzw. wir kämpfen mittlerweile um Neuzugänge. Fahrdienste, die benötigt werden oder leider auch die persönliche Einstellung zum Sport erschweren den Teilnehmerzuwachs.  

Was wird in der Rolli-Gruppe genau angeboten? Welchen Aktivitäten gehen die Teilnehmer nach?

Das Bestreben unserer heterogenen Gruppe ist es, immer auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, sodass alle miteinander - vom Jüngsten bis zum Ältesten - viel Freude und Spaß beim Sport haben. Mit kleinen Fang- und Fahrtspielen, Gymnastik mit Softbällen, Thera-Bändern, kleinen Gewichten oder Stäben finden wir für jeden - auch mit Hilfe der Trainingsbegleiter - eine gute Mischung. Zirkeltraining, Staffelfahrten, große Ballspiele, Rollstuhl-Fahrtechniken, usw. - all das sind feste Bestandteile. Tischtennis, Federball, Rolli-Hockey, Dart und andere Spiele kommen je nach Gruppengröße auch zum Einsatz.

Auch über die Trainingseinheit hinaus sind wir in der Freizeit aktiv. „Geht nicht?? - Gibt's nicht!!“ Wir probieren gerne selbst aus. Vom Hundeschlitten fahren, mit dem Rolli auf dem Eis über Bowling, Boule und Billiard spielen bis hin zum Klettern. Wir haben auch ein eigenes "Spiel ohne Grenzen" für die Bevölkerung organisiert und machen neben dem Sport diverse andere Aktivitäten. So wächst jeder in eine wundervolle "Familie" mit rein. Glücksmomente, die jeder Einzelne für sich findet, egal auf welcher Ebene!

Was ermutigt Sie, was treibt Sie an, sich für eine gleichberechtigte Teilhabe und einen Zugang zum Sport für Menschen mit Behinderung einzusetzen?

Ermutigt werde ich schon vor Beginn der Trainingseinheiten. Jeder kommt lächelnd mit guter Laune in die Halle. Das macht mich glücklich eine so tolle "Rolli-Bande“ leiten zu dürfen. Jeder hilft jedem - Eltern, die während des Trainings die Gruppe unterstützen, sich auch in die Rollis setzten und mitmachen und beim Auf- und Abbau von Geräten helfen. Wir lernen immer wieder, dass man Barrieren umgehen und umfahren kann. Mit kleinen Alternativen und Hilfestellungen. Das stärkt unsere Sportgruppe ungemein. Es ist immer wieder eine große Herausforderung neue Reize, Impulse, neue Spiele oder ganz andere Ansätze zu finden, um jedem gerecht zu werden. Aber ALLE sind ganz selbstverständlich dabei, ganz NORMAL!! Wenn das nicht ans Herz geht?!

Wir bieten im Rahmen unseres Projekts „Inklusionsoffensive in die Sportvereine“ derzeit Sportvereinen an, an einem virtuellen Sporthock (Online-Vortrag) mit dem Thema „Sport für Alle – Chancen und Perspektiven“ teilzunehmen, um mehr über inklusive Sportvereinsarbeit zu erfahren. Was würden Sie sagen: Worin stecken Ihrer Meinung nach Chancen und Perspektiven für Sportvereine, wenn Sie Menschen mit Behinderung in Ihren Verein integrieren?

Ich denke, dass jede/r Trainer/in das Sportangebot vom Inhalt so verändern kann, dass es immer eine Alternative für jeden einzelnen gibt. Auch trotz den Gegebenheiten der Hallen. Somit lernt jeder von jedem. Achtsamkeit und Fürsorge, den Respekt für Menschen mit und ohne Behinderung, die Selbstverständlichkeit, dass wir "ALLE" miteinander, Hand in Hand, etwas ins Rollen bringen können. Die emotionale und soziale Entwicklung solch einer Gruppe ist stets im Förder-Lernprozess: während des Spiels und dem Spaß beim Sport!

Was würden Sie anderen Vereinen, die sich dem Thema annehmen möchte, empfehlen?

Wer sich als Verein zur Inklusion im Sport öffnen möchte, sollte sich in den Vereinen, die schon Erfahrungen haben, mal eine Trainingsstunde anschauen, miterleben oder Gespräche führen und sehen, wie schön es sein kann!

In Nae e.V. Karlsruhe – Selbstverteidigung und Kampfkunst für Frauen und Mädchen mit geistiger Behinderung

Interview mit Regina Speulta und Charlene Karwacki vom 15. Januar 2021

Regina, als erste Frauenkampfkunstschule in Baden-Württemberg hat sich euer Verein stetig weiterentwickelt und bietet neben Frauenselbstverteidigungs-Kursen auch diverse Kampfkünste an. Wofür steht der Name „In Nae“ und was möchtet ihr damit ausdrücken?

Antwort:  Ja, das ist immer eine spannende Frage. „In Nae“ ist koreanisch und bedeutet Geduld. Was wir ausdrücken wollten ist: Bringt Geduld mit, um das zu üben, was ihr lernen wollt. Kampfkunst hat nichts mit „hau-mal-drauf“ zu tun. Kampfkunst bedeutet sich in Körperbeherrschung zu schulen und schulen zu lassen. Sich Bewegungsmuster anzueignen, die in bedrohlichen Situationen ohne Weiteres abrufbar sind. Die Philosophie der entsprechenden Kampfkunst, die ethische Anforderungen an dem Thema Kampf ist die Grundlage einen gesunden Lebensweg gehen zu können. Dafür brauchen wir GEDULD - ein Leben lang.

In den vergangenen Jahren habt ihr eure Arbeit im Bereich des Gesundheits- und Rehasports, aber auch im Bereich der Inklusion ausgebaut. Unter anderem gibt es eine Taekwondo-Sportgruppe für Frauen und Mädchen mit kognitiver Einschränkung und geistiger Behinderung. Was hat euch dazu bewegt, für die Zielgruppe ein Angebot zu öffnen?

Antwort: Uns hat damals die Gruppe bewegt, die 2004 zu uns gekommen ist. Wir bekamen von der Lebenshilfe eine Anfrage für einen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurs für junge Frauen – seitdem haben wir eine Gruppe acht junger Frauen im Taekwondo. Sie wollten einfach immer weiter trainieren, weil sie sich stärken wollten, weil sie sich bewegen und Woche für Woche treffen wollten. Menschen mit Behinderung sind täglich unangenehmen, grenzverletzenden bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt. Frauen und Mädchen mit kognitiver Einschränkung zu stärken haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Es hat uns viel Spaß gemacht, den Frauen einen Raum zu bieten, wo sie die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren und Sicherheit erfahren können.

Wie wird es angenommen, wie viele Teilnehmerinnen sind aktuell dabei?

Antwort: Aktuell sind es acht Frauen, die von einer jungen Trainerin trainiert werden. Wir hatten auch schon zwölf Teilnehmerinnen – dann waren wir mit zwei Trainerinnen in der Gruppe. Wir würden uns freuen, wenn die Gruppe wieder wachsen würde. Charlene ist als Teilnehmerin und ab sofort auch als Co-Trainerin mit dabei und wird uns ganz arg helfen.

Charlene, erzähle uns kurz, warum du Kampfsport machst und seit wann du dabei bist?

Antwort: Kampfsport mache ich, weil ich lernen wollte, wie man sich behauptet und wie man sich wehren kann. Außerdem war es mir wichtig, Woche für Woche Sport zu machen und mich mit den anderen zu treffen. Und ich habe sehr viel Spaß daran. Dabei bin ich seit Juli 2008.

Du hast im letzten Jahr an der BBS-Ausbildung für Menschen mit geistiger Behinderung zur Co-Trainerin teilgenommen und die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Was hast du in der Ausbildung gelernt?

Antwort: Gelernt habe ich, wie man etwas anleitet und wie man seine Ideen, die man hat, umsetzt. Und wenn man etwa anleitet, muss man es der Gruppe laut und deutlich erklären. Ich kann andere Teilnehmerinnen in der Gruppe unterstützen und darf die Übungen und Spiele anleiten.

Du bist jetzt Co-Trainerin im Verein. Welche Aufgaben hast du in der Sportgruppe?

Antwort: Der Trainerin zu assistieren. Wir haben eine Teilnehmerin, die besonders Hilfe braucht. Die möchte ich unterstützen.

Regina, du hast Charlene bisher trainiert und sie zu der Ausbildung ermutigt und begleitet. Jetzt steht Sie als Co-Trainerin an deiner Seite. Was bedeutet es für dich und wie sind die ersten Erfahrungen?

Antwort: Ich habe Charlene ermutigt, weil Charlene immer sehr konzentriert und mit viel Spaß, Energie und Engagement hier ist. Charlene ist einfach klasse, sehr überlegt und möchte sich gerne bewegen. Ich habe mir gedacht, dass sie Spaß daran haben könnte, uns zu unterstützen. Wir haben in der Zeit von Corona leider erst einmal trainieren können, aber Charlene macht es hervorragend.

Sie hilft einer anderen Teilnehmerin die gestellten sportlichen Aufgaben zu bewältigen. So kann ich den Fokus stärker auf die Gruppe anstatt auf eine einzelne Teilnehmerin legen. Charlene leitet gerne eine Übung am Anfang oder am Ende an. Und gleichzeitig ist es auch eine schöne Erfahrung für die anderen Frauen.

Heart Racer e.V. in Kooperation mit SV Nikar Heidelberg e.V. - Schwimmen für Kinder und Jugendliche mit körperlicher Behinderung

Interview mit Katja Schumacher, Initiatorin des Schwimmprojekts von Heart Racer e.V. in Kooperation mit dem SV Nikar Heidelberg e.V.

Sie haben 2019 in Kooperation mit dem SV Nikar Heidelberg e.V. ein Schwimmprojekt ins Leben gerufen, das sich an Kinder und Jugendliche mit  körperlicher Behinderung richtet. Was hat Sie dazu motiviert?
Wie kam es zu der Projektidee?

Antwort: Der Verein SV Nikar Heidelberg e.V. hat früher bereits versucht Kinder  und Jugendliche mit Behinderung in die Kurse und Schwimmangebote zu integrieren. Es stellte sich aber als etwas schwierig heraus, da die Anforderungen  an die Trainer oft andere sind und ein viel individuelleres Arbeiten mit den Sportlern notwendig ist. Als Heart Racer e.V. dann eine Kooperation vorgeschlagen hat, war das eine gute Lösung für beide Vereine.

Worauf zielt das Projekt ab?

Antwort: Wir möchten Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ermöglichen Sport zu treiben und Inklusion in den Vereinen fördern.

Welche positiven Entwicklungen können Sie feststellen und was stellt Sie vor Herausforderungen?

Antwort: Einzelne Kinder und Jugendliche haben sehr von dem Projekt profitiert, sie haben sich körperlich weiterentwickelt und durch den Sport ihr Selbstbild verbessern können. Das hat unter anderem auch zu besseren Leistungen in der Schule geführt. Und es ist für die anderen Schwimmer normal geworden, dass auch Rollstuhlfahrer schwimmen und Sport treiben können.

Es ist schwierig für uns das Projekt bekannter zu machen und neue Teilnehmer zu finden. Da das Training nur 1-2x pro Woche stattfindet, können nicht immer alle kommen, da es terminlich mit Schule oder Beruf nicht passt oder keine Fahrtmöglichkeiten vorhanden sind.

Wie versuchen Sie, auf das Projekt aufmerksam zu machen und die Zielgruppe anzusprechen?

Antwort: Hauptsächlich nutzen wir unsere Webseiten und Facebook, den Inklusionsatlas der Stadt Heidelberg und manchmal auch Flyer.

Wie gehen Sie vor, wenn jemand Interesse hat, am Sportangebot teilzunehmen?

Antwort: Interessierte können sich telefonisch oder per E-Mail bei uns melden und dann zum Test-Training vorbeischauen. Wenn sie sich entscheiden dabei zu bleiben, müssen sie Mitglied beim Verein SV Nikar Heidelberg e.V. werden. Heart Racer e.V. stellt die Trainer und finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft für das Projekt und Ihren Verein?

Antwort: Wir würden uns für die Kinder und Jugendlichen wünschen, dass es Möglichkeiten gibt an Wettkämpfen teilzunehmen. Für das Projekt und die Vereine wünschen wir uns etwas mehr Aufmerksamkeit.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Seite von Heart Racer e.V. > Schwimmprojekt oder auf der Homepage des SV Nikar Heidelberg e.V. > Heart Racer Projekt

 

Ring der Körperbehinderten Freiburg e.V. - Verschiedene Sportangebote für Menschen mit körperlicher Behinderung

Interview mit Alexander Butz vom Ring der Körperbehinderten Freiburg e.V.

Der Ring der Körperbehinderten Freiburg e.V. verfügt über ein vielseitiges Angebot, das sich „für die Interessen von Menschen mit einer körperlichen Behinderung und den Abbau von Barrieren“ einsetzt (s. www.ring-freiburg.de/). Dazu gehören verschiedene Freizeit- und Gruppenangebote sowie eine Vielzahl an (Behinderten-)Sportarten. Wir haben mit Alexander Butz, Rollstuhlrugbyspieler bei den "Freiburg Dragons", über die Sportangebote beim Ring der Köperbehinderten e.V. gesprochen.

Frage: Welche Sportangebote habt Ihr und wer kann daran teilnehmen? Sind die Angebote auch für Menschen ohne eine Behinderung zugänglich?

Antwort: An den Sportangeboten können Menschen mit und ohne Behinderung teilnehmen. Unser Verein bietet folgende Sportangebote an:

  • Rollstuhlbasketball (Breisgau Baskets): In dieser Sportart dürfen auch Fußgänger mit körperlichen Einschränkungen z.B. Knieprobleme mitmachen.
  • Rollstuhlrugby (Freiburg Dragons): Fußgänger dürfen am Training teilnehmen, aber im Ligabetrieb nicht mitspielen. Das liegt daran, dass diese Sportart speziell für Menschen mit mindestens drei Einschränkung der Gliedmaßen geschaffen wurde. Meist sind es Querschnittsgelähmte (Tetraplegiker) mit einer Halswirbelschädigung.
  • Kinderrollstuhlsportgruppe: Das ist eine Gruppe für Kinder und Jugendliche, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. In diesem Bereich trainieren meistens die Geschwisterkinder sowie die Eltern mit. Betroffene Eltern können während der Einheit die Elterngruppe besuchen, um sich untereinander auszutauschen und neue Informationen der Gruppenleiterin einzuholen.
  • Tischtennis: Bei diesem Angebot haben wir eine gemischte Gruppe aus Rollstuhlfahrern und Fußgängern.
  • Handbike-Gruppe: Hier treffen sich die Handbiker an verschiedenen Orten und drehen ihre Touren. Wer ein Handbike besitzt, kann mitmachen.
  • Wintersportgruppe: Der Verein agiert in Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald und bietet Ski-Nordisch und Ski-Alpin an.

Fußgänger bzw. Nicht-Behinderte sind bei unseren Sportangeboten immer willkommen. Wir suchen aktuell Übungsleiter im neurologischen Bereich sowie Helfer/Mitspieler, Gruppenleiter und Schiedsrichter für den Ligabetrieb. Also ein breites Spektrum um sich als Nicht-Behinderter aktiv einzubringen. Weitere Informationen können unter www.ring-freiburg.de eingesehen werden.

Frage: Vom Breiten- bis zum Leistungssport ist bei Euch alles vertreten. Mit welchen Sportarten seid Ihr höherklassig aktiv und welche dienen eher als Freizeit-Breitensportangebot?

Antwort: Die "Freiburg Dragons" (Rollstuhlrugby) spielen in der 1. Bundesliga, in der 2. Bundesliga Süd sowie in der Regionalliga. Die "Breisgau Baskets" (Rollstuhlbasketball) spielen in der Regionalliga. Bei beiden Gruppen ist das Training auch für den Breitensport zugänglich. Ein paar unserer Wintersportler/innen waren letztes Jahr bei den Paralympics. Die anderen Gruppen sind Freizeit- und Breitensportangebote. Es wäre schön, einen Trainer oder eine Trainerin zu finden, die eine Rollstuhlbreitensportgruppe mit „Mobi-Training“ (Mobilitäts-Training) für Rollstuhlfahrer leiten möchte.

Frage: Du bist selbst aktiver Rollstuhlrugby-Spieler. Was macht der Sport für Dich aus? Was bedeutet er für Dich?

Antwort: Sport ist nicht nur Sport, gerade im Rollstuhlrugby. Es ist mehr wie nur ein Teamsport. Es ist der Zusammenhalt, Austausch, Rückhalt und vor allem die sozialen Kontakte, die ich sehr schätze. Die Selbstständigkeit, Erhalt und Verbesserung der vorhandenen Funktionen und die Koordination werden darüber hinaus gestärkt.

Frage: Durch die Corona-Pandemie musste der Sport über mehrere Wochen ruhen. Mit welchen Herausforderungen hattet Ihr zu kämpfen und wie erlebst Du derzeit die Stimmung innerhalb Deiner Mannschaft?

Antwort: Anfangs der Pandemie war es ok, mal kein Training zu haben und die Zeit für etwas Anderes zu nutzen. Nach mehreren Wochen, in denen wir nicht trainieren durften, fehlte der Sport mit all seinen Facetten. Für ein Teil der Teammitglieder ist das Training und/oder auch die Spieltage das Highlight der Woche, um aus den eigenen vier Wänden herauszukommen.  Mittlerweile haben wir den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen, nachdem die Corona-Verordnung für den Teamsport gelockert wurde. Die Stimmung im Team ist trotz Corona wie zuvor gut. Wir achten aufeinander und gehen alle verantwortungsvoll mit dem Thema Corona und dem Hygienekonzept um.

Frage: Wie wird es in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen? Welche (sportlichen) Ziele verfolgt Ihr?

Antwort: Es wird wieder freie Turniere geben, wie die „Knielinger Rauferei“ oder das weltgrößte Rugbyturnier „Bernd-Best-Turnier“ in Köln. Der Ligabetrieb wird irgendwann auch wieder stattfinden. Vermutlich alles mit Einschränkungen, aber bis dahin trainieren und üben wir verschiedene Taktiken und machen das Beste daraus.

FV Muggensturm e.V. - Fußball für Menschen mit geistiger Behinderung

Interview mit Rolf Jägel, Trainer der „Unzähmbaren Löwen“ vom FV Muggensturm

Euer Verein, der FV Muggensturm, hat mit den „unzähmbaren Löwen“ seit rund 13 Jahren eine inklusive Fußballmannschaft mit Spielern mit geistiger Behinderung. Die Mannschaft setzt sich aus Spielern im Alter von 12 bis 55 Jahren zusammen.  Wie oft trainiert Ihr normalerweise in der Woche?

Antwort:  Fußballtraining findet einmal wöchentlich für 90 Minuten statt. Zusätzlich treffen wir uns einmal wöchentlich von März bis Oktober zum Lauftraining (walken und joggen) über moderate Strecken von ca. 5 km. Hier machen allerdings nur 6 Jungs mit. (Es ist halt kein Ball dabei)

Sportvereine mussten nun längere Zeit pausieren und Mannschaften oder Trainingsgruppen auf den gemeinsamen Sport verzichten.  Wie hat sich die „Corona-bedingte“ Trainingspause auf die Spieler und die Mannschaft ausgewirkt? Habt ihr Möglichkeiten gefunden, dennoch in Kontakt zu bleiben?

Antwort: Wir sind übergangslos von der Corona-, in die Sommerpause gegangen. Zum einen, weil es derzeit einfach zu heiß ist für Fußball, zum anderen um noch etwas Zeit zu gewinnen bis die gesamte Lage stabiler geworden ist. Die Pause, besonders am Anfang, war für alle recht schwierig. Es fehlte halt der wöchentliche Fußball.  Einige durften über Wochen nicht das Wohnheim verlassen. Kontakt konnte durch WhatsApp und Telefonate gehalten werden, dadurch entstand ein Austausch von Nachrichten und Informationen zum Thema Fußball und Privates. Besuche im Wohnheim oder Treffen mit den Jungs waren nach Absprache möglich und wurde von allen hoch erfreut aufgenommen. Ab Mitte Mai durfte jeder der mitmachen wollte, einen kleinen Videoclip aufnehmen lassen, der ihn beim Jonglieren mit Ball oder einer Klopapierrolle zeigte. Die Clips wurden dann zu einem kleinen Video zusammengesetzt und via WhatsApp an alle verteilt. Ab Mitte Juni starteten wir wieder mit unserem Lauftreff. Dieser ist einfacher zu organisieren und die Abstandsregeln stellen kein Problem dar.

Ab 01. Juli dürfen in Baden-Württemberg wieder Trainingseinheiten mit bis zu 20 Personen stattfinden. Trainiert Ihr seither wieder oder wann ist die Wiederaufnahme des Trainings geplant?

Antwort: Kontaktsport ab dem 01.07. ist zwar wieder möglich, allerdings ist es für uns sehr schwierig die weiter geltenden Hygieneverordnungen vor und nach dem Training einzuhalten. Zum Beispiel muss immer noch auf den Abstand zueinander geachtet werden. Besonders beim Umkleiden und Duschen ist es fast unmöglich diese Regeln einzuhalten. Daher haben wir uns entschlossen, zunächst noch den Juli abzuwarten. Trainingsbeginn ist für Mitte August geplant.     

Gab es Herausforderungen oder Hürden, die die Wiederaufnahme des Trainings (unabhängig von der Corona-Sportstättenverordnung) beeinflusst haben?

Antwort: Da bei unseren Fußballern einige Risikopatienten dabei sind, war bzw. ist auch heute Vorsicht gegeben, sodass wir lieber noch etwas mit dem Trainingsbeginn warten.  

Die Corona-Sportstätten-Verordnung gibt bestimmte Regelungen zum Vereins- und Mannschafts-sport vor. Inwieweit beeinflusst das Eure Trainingseinheiten oder Euch als Mannschaft?

Antwort: Würden wir trainieren, wäre die größte Herausforderung das Organisieren des Umkleide- und Duschbetriebes sowie die Einhaltung der Abstandsregelungen. Einige sind es gewohnt sich vorher in der Kabine gemeinschaftlich umzuziehen und nach dem Training duschen zu gehen. Ferner war es während der „Haupt-Corona-Zeit“ nicht möglich Fahrgemeinschaften zu bilden, um die Jungs abzuholen und wieder nach Hause zu bringen.

Wie ist die Stimmung aktuell und was zeichnet Eure inklusive Fußballmannschaft aus?

Antwort: Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut, derzeit sind einige mit ihren Wohnheimen auf Kurzurlaub. Da seit Mitte Juni die Werkstätten und Schulen wieder geöffnet haben, können sich alle wiedersehen und austauschen.

Was macht den Sport mit Menschen mit geistiger Behinderung so besonders?

Antwort: Trotz teilweise eingeschränkter Möglichkeiten, ist es bewundernswert, wie unsere Kicker ihren Fußball leben und spielen, eigentlich immer da sind, Niederlagen nicht ganz so eng sehen und immer unvoreingenommen für alles Neue sind. Vor allem die Freude und Herzlichkeit, die jeder ausstrahlt, weil er in die Welt des Fußballes eintauchen darf, macht den Sport mit Menschen mit geistiger Behinderung so besonders!